Planggenstock · Göscheneralp, Kanton Uri

Die Chronologie

Die bedeutendsten Momente einer unglaublichen Erfolgsgeschichte – Schritt für Schritt ins Innere des Berges.

Der Ort

Der Planggenstock in der Göscheneralp im Kanton Uri mit seiner gut 200 Meter hohen Nordostwand hat immer wieder Kristallsucher angelockt. Unübersehbar sind dort die Merkmale, dass im oberen Drittel der Wand – unter Tonnen von losen Granitblöcken – eine Kluft verborgen sein könnte. Die folgende Chronologie gibt Einblick in die bedeutendsten Momente einer unglaublichen Erfolgsgeschichte. Sie beweist, dass der Glaube an das, was man tut, verbunden mit der erforderlichen Ausdauer, immer wieder zum Erfolg führen können.

1993 1993 Die ersten Anzeichen

Der Urner Franz von Arx und der Berner Oberländer Paul von Känel begutachten die besagten Anzeichen näher. Sie kommen zum Schluss, dass sich unter teils bis zu 10 Kubikmeter grossen Granitblöcken der Eingang zu einer gut versteckten Kristallhöhle befinden könnte.

1994 1994 Der Jahrhundertfund beginnt

Im Juli und August räumen die beiden Berufsstrahler während 23 Tagen in mühsamer Schwerstarbeit durch Bohren und Spalten, ohne Verwendung von Sprengmitteln, rund 150 Kubikmeter lose Felsblöcke weg.

Bald einmal erkennen sie erste Anzeichen der vermuteten Kluft.

Immer deutlicher zeigen sich Kristalle und Rosafluorite als Vorboten des späteren Jahrhundertfunds.

Nach und nach öffnet sich die Kluft bis zu einer Breite von zirka 15 Metern, einer Länge von rund 20 Metern und einer Höhe von 60 bis 70 Zentimetern. Sie ist gefüllt mit wunderschönen Kristallen, begleitet von einzelnen Rosafluoriten mit einer Kantenlänge von bis zu 10 Zentimetern.

Nach Jahrmillionen in der Dunkelheit zeigt sich die ganze Schönheit der Fundstücke erstmals im Licht der Sonne.

In der Folge beschert der Planggenstock den Strahlern in dieser ersten Kluft Tonnen von Kristallen. Die grösste Stufe hat ein Gewicht von zirka 200 Kilogramm mit Spitzen von bis zu 25 Zentimetern Länge. Die Fachwelt spricht von einem Jahrhundertfund. Gleichzeitig bearbeiten sie zirka 15 Meter weiter unten am Berg eine zweite vielversprechende Stelle.

1997 1997 Die zweite Kluft

Am 31. Juli gelingt es Franz von Arx und Paul von Känel, dort eine zweite Kluft zu öffnen, die sich bis zu rund 17 Meter ins Innere des Berges zieht. Nach total sechs Wochen harter Handarbeit – verteilt über vier Jahre – dürfen die beiden erneut aussergewöhnlich schöne Kristalle bergen. Im Herbst 2003 erreichen sie das Ende dieses Hohlraums.

2004 2004 Unbeschreibliche Rauchquarze

Am 4. August – nach dem Wegspitzen von 4 Metern Quarzband, bei einer Breite von etwa 3 Metern und einer Höhe von 1,4 Metern – öffnet sich den beiden Kristallsuchern ein weiterer und vorerst letzter Hohlraum. Dieser Seitenarm beschert ihnen unbeschreibliche Rauchquarze. Diese Funde aus der Kluft 2004 dürfen sie im Herbst mit berechtigtem Stolz an der Altdorfer Mineralienbörse präsentieren.

Die beiden Strahler sind mittlerweile überzeugt, dass es sich bei den bis anhin gefundenen Hohlräumen nicht um einzelne Klüfte, sondern um ein ganzes System handeln muss. Also beschliessen sie, dem Quarzband als gutes Anzeichen für weitere Hohlräume im kommenden Sommer weiter zu folgen.

2005 2005 Die Prunkkammer Gottes

Franz von Arx und Paul von Känel senken in harter Arbeit und mit grosser Ausdauer den Boden der Kluft auf eine Höhe von zirka 2 Meter ab. Während rund zwei Monaten bauen sie rund 40 Kubikmeter härtesten Granit ab und befördern diesen ans Tageslicht. Danach treiben sie einen Kriechgang von ungefähr 5 Metern Länge durch den harten Granit, um genügend Platz zum Arbeiten zu erhalten. Am 21. September, zwei Tage bevor sie die Saison eigentlich beenden wollen, geraten die beiden Strahler in einen Hohlraum, der den beiden die Sprache verschlägt. In seinem Kluftbuch beschreibt Franz von Arx diesen unglaublichen Moment mit folgenden Worten:

«Was uns hier nach Jahrmillionen der Dunkelheit im Licht einer Lampe entgegenleuchtet, hat alle unsere Vorstellungen bei Weitem übertroffen: Rauchquarze von Schönheit und Grösse, wie man sie in den letzten 300 bis 400 Jahren in den Alpen wohl kaum gefunden hat. Bis zirka 150 Kilogramm schwere Einzelkristalle, andere gut 1 Meter lang. Dankeschön der grossartigen Schöpfung.»

Vier grosse Kristalle mit einem Gewicht von 40 bis 120 Kilogramm dürfen sie noch bergen, bis sie zu einer Gruppe vorstossen, die so gross ist, dass sie nicht durch den Kriechgang befördert werden kann. Am 30. September 2005 verlassen die beiden Berufskollegen den Planggenstock im Wissen, dass im kommenden Sommer Erntezeit angesagt sein wird.

2006 2006 Bergung & Ausstellung

Franz von Arx und Paul von Känel räumen die 2005 gefundene Prunkkammer Gottes aus. Am 9. August beginnen sie mit der Bergung der einmaligen Kristallgruppe mit einer Hauptspitze von gut 1 Meter Länge und einem Gesamtgewicht von rund 450 Kilogramm. Am 16. August erblickt dieses Prunkstück erstmals das Tageslicht und wird anderntags ins Tal geflogen. Ab dem 30. Juni 2007 und bis am 31. Oktober 2009 werden die Riesenkristalle in einer Ausstellung in der Alten Kirche in Flüelen von insgesamt rund 140'000 Besucherinnen und Besuchern bestaunt. Geheimnisvoll leuchten die kunstvoll arrangierten Kristalle in den dunkel gehaltenen Räumlichkeiten aus den Vitrinen. Es sind weit über 20 Exponate zu sehen, jedes von eindrücklicher Grösse und bester Qualität, zu sehen. Zudem sind auch unzählige Rosafluorite zu bewundern. Im oberen Stock wird der Film «Hüter der Erde» gezeigt, eine Dokumentation über die Geschichte der Strahlertätigkeit von Franz von Arx und Paul von Känel am Planggenstock bis zur Bergung der Riesenkristalle im Jahre 2006. Seit Mai 2011 kann der Jahrhundertfund von 2005 im Naturhistorischen Museum in Bern bewundert werden.

2007 2007 Ein neuer Begleiter

Für Paul von Känel stellt der Jahrhundertfund und dessen Bergung den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss seiner aussergewöhnlichen Strahlertätigkeit am Planggenstock dar. Nach 14 Jahren harter Arbeit im Innern des Berges beschliesst der Berner Oberländer, kürzerzutreten, das Leben etwas ruhiger anzugehen und das Kristallsuchen wieder vermehrt unter freiem Himmel auszuüben. Franz von Arx zieht es weiterhin an den Planggenstock. Sein neuer Begleiter ist der 21-jährige kristallverliebte Elio Müller, für den der damals 57 Jahre alte erfahrene Strahler und Firmgötti Franz von Arx schon immer ein leuchtendes Vorbild war.

2008 2008 Der zweite Jahrhundertfund

Franz von Arx und Elio Müller, die beiden Hauptprotagonisten, sind überzeugt, dass die wundersame Geschichte vom Planggenstock auch nach dem Sensationsfund von 2005 noch nicht zu Ende geschrieben sein dürfte. Diese von Glauben und Hoffnung getragene Vermutung wird am 19. September 2008 Wirklichkeit. Dass selbst die bis anhin getätigten Funde bezüglich Grösse und Menge übertroffen werden könnten, war auch für den erfahrenen Strahler Franz von Arx eine riesengrosse Überraschung: Drei noch eindrucksvollere Kristallgruppen sind die Krönung dieses erneut unglaublichen Fundes. Wie grosszügig die Natur sein kann, zeigt das Gesamtgewicht der geborgenen Kristalle von zirka 2,5 Tonnen. Am 18. Oktober wird diese kostbare Fracht ins Tal geflogen.

Im Jahr 2009 werden die schönsten und grössten Stücke dieses Fundes an den Mineralientagen in München erstmals einem breiten Publikum aus aller Welt präsentiert.

Von 2015 bis 2022 ist der Jahrhundertfund von 2008 als Hauptattraktion im Festungsmuseum Sasso San Gottardo ausgestellt.

2009 2009 bis 2013 Die mageren Jahre

Franz von Arx und Elio Müller bezeichnen diese fünf Jahre als die «mageren Jahre am Planggenstock». Die beiden Strahler arbeiten jeweils zwischen drei und vier Monaten pro Jahr im mittlerweile zirka 70 Meter umfassenden Kluftsystem. Während dieser Zeit finden sie nicht die kleinste Kristallspitze – absolut null und nichts! Dennoch denken sie in keinem Moment an ein Aufgeben, denn sie wissen: «Wenn man mit so vielen aussergewöhnlichen Kristallen beschenkt worden ist, kann man auch noch ein paar Jahre arbeiten, ohne etwas zu finden.»

2014 2014 Belohnte Ausdauer

Nun versuchen sie, an einer Stelle fündig zu werden, die ihnen während der letzten fünf mageren Jahre als «unverdächtig» erschienen war. Und prompt werden sie für ihre Ausdauer mit schönen Kristallen belohnt. Wie so oft im Leben, liegt hinter kleinen Türen oftmals mehr verborgen als hinter grossen Toren.

2015 2015 bis 2017 Sondierbohrungen

Erneut folgen drei erfolglose Jahre. Aus lauter Verzweiflung versuchen die beiden Strahler, während dieser Zeit mittels Sondierbohrungen nach allen Seiten allfällige Hohlräume zu lokalisieren. Bei eben einer solchen Sondierbohrung senkrecht in den Boden, fällt der Bohrer nach zirka 1,7 Metern 10 Zentimeter ins Leere, was sich nach weiteren 30 Zentimetern wiederholt. Franz von Arx und Elio Müller füllen das Sondierloch mit zirka 1000 Litern Wasser, die in einem weiteren Hohlraum des Systems versickern, was auf eine weitere Kluft hindeutet. Gespannt blicken sie der nächsten Strahlersaison entgegen.

2018 2018 Bestätigte Vermutung

Nach dem mühsamen Abbau von zirka 40 Kubikmetern Granit, was rund vier Monate respektive von Anfang Juni bis Ende September dauert, bestätigt sich die Vermutung einer weiteren Kluft. Allerdings beginnt nun das lange Warten auf den nächsten Sommer, begleitet von kühnsten Träumen.

2019 2019 Der dritte Jahrhundertfund

Ende Juni 2019 hat das lange Warten ein Ende. Der Blick in den erdfeuchten Hohlraum lässt Franz von Arx und Elio Müller einmal mehr erstarren und vor Ehrfurcht sprachlos werden. Nach Millionen von Jahren liegen diese unbeschreiblichen Schätze der Natur auch jetzt noch genau so da, wie die beiden Strahler sie vor acht Monaten erstmals hatten erblicken dürfen: Rosafluorite in einer Farbintensität, Grösse, Schönheit und Menge, welche die beiden Finder in diesem Moment mit Worten nicht zu beschreiben vermögen.

Rosafluorite, deren Farbintensität, Grösse, Schönheit und Menge ihnen die Worte rauben, sie zu beschreiben. Dr. Beda Hofmann, ehemaliger Leiter der Abteilung Erdwissenschaften sowie Kurator für Mineralogie und Meteoriten am Naturhistorischen Museum Bern, bezeichnet diese Rosafluorite und die 2005 und 2008 gefundenen Kristalle – was Grösse, Perfektion, Transparenz, Glanz und Menge betrifft – im Mai 2023 als weltweit einmalig.

2022 2022 Präsentation in Amsteg

Anfang Mai präsentieren Franz von Arx und Elio Müller der Öffentlichkeit erstmals den dritten Jahrhundertfund vom Planggenstock. Die Ausstellung lockt eine überraschend grosse Zahl von Besucherinnen und Besuchern nach Amsteg.

Bericht aus der Urner Zeitung vom 8. Mai Kanton Uri

«Kühnste Erwartungen übertroffen»: Strahler präsentieren Jahrhundertfund in Amsteg

Die beiden Urner Berufsstrahler Franz von Arx und Elio Müller haben der Öffentlichkeit den dritten Jahrhundertfund vom Planggenstock präsentiert. Sie lockten damit rund 2100 Besucher nach Amsteg.

«Mystisch!», «unglaublich!», «unbeschreiblich!», «weltweit einzigartig!», «von einem anderen Planeten!». Das Publikum, unter ihnen auch Berufsstrahler und weltweit tätige Kristallhändler, hielt sich am Samstag und Sonntag nach dem Besuch der Mineralienausstellung in Amsteg mit Superlativen nicht zurück. In einem Punkt waren sich alle einig: «Was Franz von Arx und Elio Müller im Jahr 2019 im Innern der Nordostwand des Planggenstocks auf rund 2500 Metern über Meer hoch über dem Göscheneralp-Stausee gefunden haben, übertrifft alles bisher Gesehene.»

2023 2023 Abschied von Elio Müller

Franz von Arx blickt mit Wehmut auf das Jahr 2023 zurück. Es ist geprägt vom tragischen Unfalltod seines langjährigen Strahlerfreundes Elio Müller, mit dem er in den vergangenen 17 Jahren zwei der drei bedeutendsten Funde am Planggenstock hatte erleben dürfen. Elio verunglückt am 22. Juli bei der Kristallsuche am Fedenstock im Fellital.

«Seine herzliche und offene Art sowie die Liebe zu den Bergen und den Kristallen waren beispiellos. In tiefer Verbundenheit wird er mir stets in guter Erinnerung bleiben.»

2024 2024 und 2025 Ein Familienunternehmen

Die folgenden zwei Jahre waren in erster Linie von notwendigen Umstrukturierungen der von Arx Kristalle AG geprägt. Nachdem Franz von Arx in den vergangenen Jahren die Organisation der Arbeiten am Planggenstock altershalber nach und nach zu einem grossen Teil seinem Partner Elio Müller übertragen hatte, musste er nun die Verantwortung wieder selber übernehmen, da ein Aufgeben der Fundstelle Planggenstock kein Thema war. Unterstützt von seinem Sohn Sascha von Arx, seinem Schwiegersohn Hermann Epp sowie seinen Enkeln Nino und Mattia Epp, wurde der Planggenstock in der Folge zu einem reinen Familienunternehmen.

Zudem bot sich der von Arx Kristalle AG die Gelegenheit, sich in den Räumlichkeiten der neuen Werkhalle der Sascha von Arx Holzbau GmbH in Amsteg einzumieten. All diese Arbeiten waren für Franz von Arx mit grossem zeitlichem Aufwand und sehr viel persönlichem Engagement verbunden. Das Ergebnis dieses aussergewöhnlichen Einsatzes widerspiegelt sich in der Einzigartigkeit des neuen Konzepts der Ausstellung und der Werkstatt im Dachgeschoss der Halle im Grund 59a in Amsteg.

Trotzdem waren die Sommermonate 2024/25 auch von herrlichen Funden geprägt. Während in einer Seitenkluft schöne Kristalle darauf warteten, geborgen zu werden, versuchte das Team mit viel Arbeit, in einer anderen Ecke einen neuen Hohlraum mit einem allfälligen vierten Sensationsfund zu entdecken. Denn die Hoffnung und der Glaube an das, was man tut, sterben zuletzt...